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13 Beiträge zur Memminger Geschichte - eine Intervention

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8Friederike Dorothea Huber entwickelte in den siebziger Jahren
in diesem Haus ihre berühmt gewordene Regionaltherapie
oder
wie aus diesem Haus heraus eine gesunde Idee die Welt eroberte

 

Die Heilpraktikerin Friederike Dorothea Huber (1905 – 1992) suchte eine Heilmethode, die speziell auf die regionale Bevölkerung abgestimmt sei.

Ihre Überlegungen waren die, dass eine bodenständige Bevölkerung auch nur mit einer bodenständigen Therapie geheilt werden könne, dass regionale Besonderheiten sich auch in Krankheiten niederschlagen und diese mit regionalen Therapieformen behandelt werden müssen.

Als junge Frau lernte F. D. Huber den englischen Arzt und Visionär Dr. Edward Bach (1886–1936) kennen, der gerade dabei war, seine inzwischen berühmte „Bachblütentherapie“ zu entwickeln. Im Gegensatz zu Edward Bach, den sie glühend verehrte, wollte sie aber keine allgemeine, für alle Menschen verbindliche Heilkunst, sondern eine auf den speziellen Charakter von Landstrichen abgestimmte Therapie. Sie ging von der ganzheitlichen Vorstellung aus, dass Gegend und Mensch eine Einheit bilden und dass dieses Zusammenwirken bei Heilungsprozessen berücksichtigt werden müsse. „Ein Allgäuer in den Bergen hat eine andere Galle als ein Fischer an der Nordsee und der Großstädter wieder eine ganz andere“, sagte und schrieb sie immer wieder.

Sie propagierte, dass in heimischem Wasser und Kräutern die Heilkraft des Heimischen läge, diese Kräfte müssten in Bezug auf regionale Erzähltraditionen, zu Märchen und Sagen in Beziehung gesetzt werden, denn in den Märchen sei die Weisheit von Generationen komprimiert. Wichtig an ihrer Lehre ist, dass auf die örtlich geprägte Seele eingegangen werden soll und dass die sieben Laster, die jeden Menschen mehr oder weniger prägen und mit denen jeder zu kämpfen hat, mit behandelt werden, indem die sieben Tugenden gestärkt werden. Mehr als sieben Elemente würde man nicht brauchen, denn nicht umsonst ist in allem die Sieben erhalten.

Exemplarisch für ihre Heimat entwarf sie nachfolgende Heilregeln, die sie die Sieben-Schwaben-Therapie nannte, die auch als Vorlage für alle anderen Regional- oder Heimattherapien angesehen wird.

Schulz, der Allgäuer, der vorne geht, ist zuständig für die Innereien, dazu nimmt er Wasser von der Günz und Brennnesseln von trockener Erde und sein Geiz wird zur Harmonie.
Jackli, der Blitzschwab, der als zweiter geht, er kümmert sich um’s Äußere, das Wasser holt er in dem Lech und das Kraut ist der erste Huflattich, der im Frühling wächst, und schon wandelt sich der Stolz in Demut um.
Marli, der Gelbfüßler, an der dritten Stelle, lässt die Säfte fließen und das Wasser fließt in der Iller und ganz in der Nähe wächst der Spitzwegerich und beides vertreibt den Neid und führt zur Zufriedenheit.
Jergli, der Knöpfleschwab, der den Vierten macht, ist stark und kräftig, das hat er dem Bodensee zu verdanken und dem Löwenzahn, der frisch erblüht, damit die Mäßigung die Völlerei bezwingt.
Micha, der Nestelschwab, der zwei hinter sich hat, wirkt verborgen auf das Gefühl, dafür ist das Wasser in der Günz sowie die bewährten Blätter des Holunders und Faulheit wird zu Betriebsamkeit.
Hans, der Seehas, der fünfe vor sich hat und einen hinter sich, lässt uns sehen und schmecken, da freut sich das Roter Wasser, in dessen Nähe das Johanniskraut so herrlich ohne Blüten wächst, damit Zorn sich in Friede wandele.
Veitli, der Spiegelschwab, das Schlusslicht, verdaut, was wir essen und dazu fließt das Donauwasser und schwimmt darin die Brunnenkresse und schon wird aus Wolllust ein gemäßigter Genuss.
Alle Sieben zur gleichen Zeit ziehen an dem selben Strang, der eine einmal heftiger, der andere einmal zögerlich, von dem einem etwas mehr, vom anderen etwas weniger und schon hat man das Heil auf seiner Seit und ein jeder wird auf seinem Grund gesund.“

Die Therapieform von F. D. Huber verbreitete sich schnell. In den 70er und 80er Jahren wurde Friederike Dorothea Huber hoch verehrt und bekam viele Auszeichnungen von internationalen Naturheilvereinigungen, so übergab man ihr 1978 den begehrten „Penny-Kayser-Preis“ in New York. Die von ihr entwickelte „Sieben-Schwaben-Therapie“ gilt heute als das gültige Muster für alle „fdh-regional-therapies“, wie sie international genannt werden. F. D. Hubers Bücher sind in 29 Sprachen übersetzt.

Literatur:

C. Krämer, Die Heilkunst der F. D. Hube, Frankfurt a. M. 1999.
C. Niederer, Die Regionen in der Medizin, Frankfurt a. M, 2003.
F. D. Huber, Die Region bildet die Seele, Memmingen 1964.
F. D. Huber, Gesammelte Schriften und Reden, Hg. F. Neider, München, 1995.